Essbare Stadt

Stellt euch vor, ihr lauft durch eure Stadt. Überall findet ihr kleine Gemüse-Beete. Daneben stehen Schilder: Pflücken und Ernten ist ausdrücklich erwünscht. Was hier wächst gehört allen – jede*r darf sich mitnehmen, was ihm/ ihr gefällt.

In Zella-Mehlis ist dies Realität!

Die essbare Stadt Zella-Mehlis wächst bereits seit über drei Jahren – langsam und stetig.

In ehrenamtlicher Arbeit wurden und werden Kräuter, Obstbäume und Beerensträucher angepflanzt – und in Kurzpatenschaften gepflegt. Zwei jährliche Aktionstage (Frühjahr/Herbst) mit anschließenden Picknick laden alle Interessierten ein, mit anzupacken.

Die Stadt hat sich angeschlossen und bei der Umgestaltung des Schubertparks Beerensträucher integriert. Auch Hochbeete sorgen für essbares Grün und werden von fleißigen Paten/Patinnen gepflegt.  Und nicht zu vergessen: in der Parkanlage auf dem Lerchenberg findet sich unser größtes essbares Areal, von der Wendeinitiave ins Leben gerufen – und von Aufwind fortgeführt.

Am Lerchenberg will Aufwind nicht nur für Essbares sorgen, sondern auch Wissen wachsen lassen: Durch die Anpflanzung von seltenen/ alten Wildgehölzen, die allen Bürger*innen der Stadt zugänglich sind. Kleine Schilder vor Ort informieren bald über die Pflanzen, aber Aufwind ist rotiert und hat zusätzlich einen virtuellen Wildgehölz-Spaziergang (siehe unten) angelegt, damit interessierte Besucher*innen sich zusätzlich informieren können und Inspiration bekommen, was sich mit den frisch geernteten Früchten alles anfangen lässt.

Zum Hintergrund des Projektes und der Zielsetzung:

Wir wissen, dass wir über unsere ökologischen Verhältnisse leben. Daher ist es wichtig für uns, dass wir auch hier unser Leben nachhaltiger, also zukunftssicherer einrichten.

Die essbare Stadt ist eine Möglichkeit, Freude an Gärtnern und Mitgestalten mit einer Fokuslenkung auf nachhaltigen (weil lokalen) Anbau zu legen.

Sie bedeutet auch einen Bewusstseinszuwachs für nachhaltige Prozesse und eine größere Wertschätzung der (Nahrungs)güter, die wir erhalten, ob durch Erwerb oder Eigenanbau.

Eine Kommune wird gegen globale Krisen widerstandsfähiger, wenn wieder mehr Lebensmittel und Konsumgüter regional erzeugt, gehandelt und gekauft werden, wenn das Wissen um die Verwendung und Haltbarmachung kultiviert und erweitert wird, Produkte lange genutzt und instand gehalten, ja, sogar repariert werden – und wenn Generationen im Austausch bleiben.

Aufwind, hervorgegangen aus Wendeinitiative und dem Projekt Überlebenskultur, stellt mit der essbaren Stadt eine Säule für einen solchen Prozess und freut sich, wenn diese Ideen in Zella-Mehlis und Umgebung Früchte tragen.

Virtueller Rundgang „essbare Stadt“ am Lerchenberg

  • Traubenkirsche (Prunus Padus)

(Bild: Dellex)
Im Juli und August sind die Traubenkirschen (Prunus Padus) gereift. Vorsicht –  Der Kern sollte, wie z. B. bei der Süßkirsche auch, lieber entfernt werden, da er Blausäure enthält und deshalb für Menschen schwachgiftig ist. Das Fruchtfleisch ist roh essbar, jedoch wegen des herb-sauren Geschmacks eher durch Zugabe von Zucker in Marmelade oder Säfte geeignet. Wer nicht so lange warten mag, kann schon in der Blütezeit von April bis Juni (natürlich nachhaltig) die weißen Blüten zu Likör und Sirup oder als Zutat für Teemischungen verarbeiten. Für den schöngedeckten Kaffeetisch noch ein Tipp: Die Blüten sind wahre Speisedeko-Hingucker.

  • Elsbeere (Sorbus torminalis)

(Bild: Amanda44)
Die Elsbeere (Sorbus torminalis) macht ein pelziges Mundgefühl, wenn wenn sie roh verzehrt wird – es sei denn, sie wird überreif geerntet. Geschmacklich kann man die Frucht als süßlich-sauer beschreiben. Die Verwendung der erntereifen Beere im Oktober ist vielseitig. Ganz bekannt ist der Schnaps Alisier, der aus dem Elsass kommt. Außerdem kann man sich die Elsbeere getrocknet im Müsli schmecken lassen oder als Kompott, Marmelade und Gelee verarbeiten, als Saft pressen oder als Zutat für Käse, Schokolade, Kekse, Kuchen und Torten verwenden. 

  • Mispel (Mespilus germanica)

    (Bild: Rasbak)

Warten Sie lieber bis nach dem ersten Frost oder nach längerer Lagerung, bis Sie die säuerlich-aromatischen Früchte der Mistel (Mespilus germania) essen. Denn vorher wirken die Früchte adstringierend (pelziges Gefühl im Mund). Die Verwendung liegt vor allem bei Marmelade, Gelee oder Obstwein. Auch interessant: Mispeln werden als natürliches Mittel beim Gerbungsprozess verwendet. 

  • Felsenbirne (Amelanchier)

(Bild: Besser-pflanzen)
Die Felsenbirne (Amelanchier) kann man roh oder verarbeitet zu Marmelade zu sich nehmen. Man sagt ihr nach den Blutdruck zu verringern, bei Hals- und Mundentzündungen zu helfen und den Schlaf sowie die Herzleistung zu normalisieren. Mit ihrem saftig-süßen Aroma schmeckt sie zudem prima. Ernten kann man die Birne im Juli.

  • Schwarze Apfelbeere (Aronia melanocarpa)
Bild: BotBln

Wem im August und September die Nase läuft und wer deswegen sein Immunsystem stärken möchte, kann zur schwarzen Apfelbeere (Aronia melanocarpa) greifen. Die feinherbe und säuerliche Beere kann man roh, getrocknet, als Saft gepresst oder gekocht alsMarmelade verzehren.

  • Schlehe (Prunus spinosa)

(Bild: AnRo0002)
Im Schlehengestrüpp (Prunus spinosa) kann man oft die Vögel zwitschern hören. Das liegt vor allem daran, dass es wegen der Dornen einen idealen Rückzugsort darstellt und Schutz für Vögel aller Art bietet. Außerdem sind die vielen Blüten eine üppige Nahrungsquelle für Insekten. Uns Menschen schenkt dieser Strauch nach dem ersten Frost (etwa im Oktober) heilkräftige Früchte, denn die Schlehe wirkt fiebersenkend und entzündungshemmend. Kerne beim Verzehr lieber weglassen wegen des Blausäuregehalts. Empfehlenswert und lecker sind gekochte Marmelade und Kompottmischungen und zum Anstoßen nach dem Essen ein wunderbarer Likör.

  • Wildapfel/ Holzapfel (Malus sylvestris)

Der Wildapfel, oder auch Holzapfel (Malus sylvestris) genannt, hat viele positive Eigenschaften. Die Blüten sind für Bienen eine reichhaltige Nahrungsquelle im Frühjahr. Im Herbst spenden dann die Früchte den Wildtieren eine leckere Mahlzeit. Er gilt als guter Bestäuber für den Kulturapfel. Die Vieltriebigkeit der Äste bietet Vögeln allerhand Nistplätze. Wer es geschmacklich eher säuerlich mag (ab August ernten), wird bei dieser Apfelsorte nicht zu kurz kommen und auch wer es milder bevorzugt und bis nach dem ersten Frost warten kann, wird bei dieser Sorte einen treuen Obstspender finden. Ernte also je nachbevorzugter Geschmacksrichtung von August bis Oktober. Es kommt sogar noch besser: Dieser Apfel gilt als zuverlässiger Vitamin C – Spender. Die getrockneten Schalen eignen sich auch besonders zum Aufbrühen eines dampfenden Früchtetees. Der Wildapfel soll außerdem Schwangerschaftsübelkeit lindern, Verdauungsbeschwerden kurieren helfen und Entzündungen hemmen.

(Bild: H.Zeller)
  • Haselnuss (Corylus avallana)

Wenn mal wieder Chaos in Ihrem Leben herrscht, dann bedienen Sie sich an der Haselnuss

(Bild: Joachim Müllrechen)
sie bietet beste Nervennahrung (Corylus avallana). Diese Nuss ist die perfekte Nährstofflieferantin. Ab ungefähr dem sechsten Standjahr können die ersten Nüsse geknackt werden und sind bis zu zwei Jahren gut getrocknet haltbar. Die Haselnuss eignet sich wunderbar zum Trocknen, Rösten und Mahlen als Nussaroma für Kuchen, als Brotaufstrich oder als besondere Komponente für Likör. Ernten kann man die Nüsse durch vorsichtiges Schütteln der Äste im September. Die reifen Früchte fallen zu Boden und können dann aufgelesen werden. Für den eigenen Garten sind die Ruten (wurzeln nicht) eine kostenfreie Stütze für Tomaten, Stangenbohnen und Tomaten.

  • Kornelkirsche (Cornus mas)

(Bild: Plenuska)
Erst bei voller Reife ernten, die Früchte sollten dunkel bis schwarz rot sein.

Ende August bis Oktober sollte die Kornelkirsche (Cornus mas) gepflückt werden. Wer gerne säuerlich isst, dem schmecken diese Früchte roh. Für alle anderen gibt es die Möglichkeit, die Kornelkirsche im Kompott, kandiert oder als Marmelade zu genießen. Für Bienen bietet diese Pflanze wegen ihrer frühen Blütezeit eine wichtige Nahrungsquelle. Und um das Wissen abzurunden: Das Holz der Kornelkirsche ist das härteste in Europa vorkommende.

  • Sanddorn (Hippophae rhamnoides)

(Bild: Maja Dumat)
Sanddorn (Hippophae rhamnoides) kennt man vor allem von der Ostsee, doch auch bei uns, in der essbaren Stadt Zella-Mehlis, wächst die Vitamin C reichhaltige Beere. Sie schmeckt vor dem ersten Frost säuerlich und kann gleich frisch vom Strauch verzehrt werden. Die ideale Erntezeit ist im August oder September. Die heilenden Wirkung des Sanddornöls zeigt sich bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder bei entzündeter Haut. Besonders empfehlenswert ist der dick gepresste Fruchtsaft (Tipp: heißer Sanddorn). Werden Sie kreativ und mischen Sie sich Ihr eigenes Mixgetränk aus Sanddornsaft und anderen Säften zusammen oder trockenen Sie den Sanddorn und erstellen Sie sich ihre eigene Früchteteemischung. Ein kleiner Tipp vom Aufwind Team: Apfelkuchen mit Sanddorncreme!

  • Berberitze/Sauerdorn (Berberis vulgaris)

Essen Sie lieber nur die Früchte der Berberitze (Berberis vulgaris, auch Sauerdorn genannt), denn der Rest dieser Pflanze ist in größeren Mengen giftig. Die Wurzelrinde hat zwar heilende Wirkungen, diese jedoch lieber von dem fachkundigen Apotheker/ der fachkundigen Apothekerin in einer ungiftigen Dosierung aushändigen lassen. Die

(Bild: H. Zoll)
säuerlich schmeckenden und vitaminreichen Früchte können ohne Bedenken von August bis November (auch frisch vom Strauch) verzehrt werden. Die Verwendung kann ganz unterschiedlich aussehen: getrocknet als Snack für zwischendurch oder auch ins morgendliche Müsli bis hin zur selbstgekochten Marmelade. In orientalischen Ländern wird die Frucht der Berberitze getrocknet und gemahlen als Gewürz verkauft. In der Natur bietet dieses Obstgehölz einen wunderbaren Rückzugsort und Futtermöglichkeit für kleine Säugetiere, Vögel und Insekten.

  • Heidelbeere (Vaccinium myrtillus)
    (Bild: Stefan Grünig)

Die bekannte Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) kann man im Juli und August pflücken. Die leckere Beere ist wegen ihres sehr hohen Vitamingehalts auch äußerst gesund.  Küchenfeen/-zauberer  verwenden die Frucht zum Marmelade kochen, getrocknet für selbstgemachten Früchtetee oder als Soßenbeilage für Hefeklöße.